Zum Inhalt springen

Frauensabbat in Baden-Baden

„Mir war nicht klar, wie groß das Ausmaß dieses Elends selbst in Deutschland ist“, sagte eine Gottesdienstbesucherin nach einer erschütternden Ansprache anlässlich des Frauensabbats am 11.5.2019 in Baden-Baden. Gemeindeleiterin, Gisela Kappenberger, hatte in ihrer Predigt nämlich über Tabuthemen wie Kinderehe, Zwangsbeschneidung, Kinderarbeit und häusliche Gewalt gesprochen.

Man müsse gar nicht erst  auf einen anderen Kontinent reisen der weniger wirtschaftsstark und bildungsschwächer sei, um derartiges Elend zu finden. Oft würden Bräuche wie weibliche Genitalverstümmelung, das Schließen von Kinderehe etc. in unserer Nachbarschaft gelebt. Ein oft unerkanntes, tabuisiertes Leiden unzähliger Mädchen und Frauen, ist die Folge, deren Familien in Deutschland verbotene Traditionen ihres Herkunftslandes weiter lebten, obwohl sie längst bei uns in Deutschland ein neues Zuhause gefunden hätten.

Keine Generation von Mädchen und Frauen zuvor konnte in Deutschland dieselben Freiheiten genießen wie wir heute: Wahlrecht, Recht auf politische und religiöse Teilhabe, die Chance, einen Beruf zu wählen und auszuüben, Zugang zur Bildung und zur Gesundheitsvorsorge, die freie Wahl des Ehepartners etc. Doch nicht alle in Deutschland lebenden Mädchen und Frauen profitieren von diesen Privilegien. Schwester Kappenberger rief uns dazu auf, uns mit unseren Möglichkeiten für sie zu engagieren, ob mit der Aktion #enditnow der Abteilung Frauen, durch Patenschaften oder Mentorendienst.

Sie ermutigte uns, Jesus zum Vorbild zu nehmen, der die Unsichtbaren, die Leidenden, die Schwachen und benachteiligten Menschen sah, die die Gesellschaft um sie herum nicht sehen wollte: die blutflüssige Frau, die verkrümmte Frau, die Samariterin oder die Ehebrecherin. Sie spornte alle Anwesenden dazu an, sich einzusetzen wie Jesus. Der nicht das Geschlecht sah, sondern allein das Herz und den Zustand des Menschen und seine Hilfsbedürftigkeit. Der sich für die einsetzte, für die sich niemand einsetzte. Der auch uns in diesen Dienst beruft. Wirst du ihm nacheifern?

IMG_1568.JPG
© Fotos: Abteilung Frauen Baden-Württemberg